Kicher
Ich bin ja bekanntlich ein hervorrangender Raunzer. Wäre Raunzen olympisch, ich hätte Medaillien...Doch ich habe wieder einmal zu recht geraunzt.
Seit 2. Jänner 2009 bin ich arbeitslos gemeldet, dank Umzug mit einem Wechsel des zuständigen AMS. Im ersten AMS hat man gar nix mit mir anzufangen gewusst, man hielt es nicht einmal notwendig, mich zu informieren wie denn die Sache "Arbeitslosogkeit" abläuft. "Sie bekommen dann halt den Bescheid." Tja.
Neues AMS, neues Glück. Nach über 4 Monaten Arbeitslosigkeit bekomme ich ein Schreiben zu einer IT-Informationsveranstaltung für Frauen (!). Nach Rückfrage bei meiner zuständigen Betreuerin, die ich noch nie gesehen habe, weil das Numemrn-Zieh-System eben nicht wirklich funktioniert, als erstes Verwunderung ihrerseits:
"Haben Sie das Schreiben von uns bekommen?"
"Öh ja. Da ist sogar ein gaaaanz großes AMS-Logo drauf."
"Ach ja....Dann gehen Sie halt hin."
"Aber was findet da statt? Werden Berufe vorgestellt oder geht es um Programme?"
"Gehen Sie einfach hin! Da eröffnen sich immer neue Perspektiven. Und wir wählen das schon so aus, dass es zu ihrem Profil passt."
Aha.
Da stand ich heute nun - mit ca. 25 anderen zwangsverpflichteten Frauen. Die Spannung auf das da kommende war gewaltig. Wussten Sie schon, dass man Excel-Listen zur Lagerverwaltung nutzen kann? Dass man Photoshop und Flash in sieben Wochen so lernen kann, dass man da eine ur super Zusatzqualifikation hat - und der Webdesigner ist dann gar nicht mehr weit? Dass Windows Vista ein bisserl bunter als XP ist? Und nein, Kurse für Datenbankprogramme gibt es derzeit nicht. Kennen Sie Amazon? Ich hab nur noch drauf gewartet, dass die engagierte Dame eine Kasperl-Figur auspackt. Einwände anderer Frauen, dass sie nach vielen Kurse trotzdem keinen Job gefunden haben, taten ihr übriges zur Stimmung. Schön war auch die Gender-Platitüde, dass Frauen viel flexibler wären. Wir hätten es ja im kleinen Finger, das mit dem Mulit-Tasking. Deswegen hat es ja auch so gut geklappt die Power-Point-Präsentation auf den Bildernschirm-Modus zu legen. F5. Einfach nur F5 drücken.
Ich war nach einenhalb Stunden Zeitverschwendung so schlau wie zuvor. Ich will noch immer nicht Netzwerkadministratorin oder Webdesignerin werden und Anwenderin bin ich schon lange. Und schön, dass die ganzen Kurse eh aus allen Nähten platzen - solange es hilft die österreichische Arbeitslosenstatistik gegenüber der EU-Statisitik zu beschönigen, ist ja wenigstens ein paar Leuten geholfen.
London
Die 4 Tage London sind viel zu schnell vergangen. Das typisch englische Wetter hat uns nur kurz am Freitag erwischt. Sonst Sonnenschein und kühler Wind - Tatsachen, die die Briten nicht davon abgehalten haben die Sandalen auszupacken und ihren Zehen eine Runde Frühlingsfreiheit zu gönnen. Bibber.
Tag 1
Ankunft in Heathrow. Ich hasse landen in Heathrow. Das ist immer holprig. Nachdem wir den Kampf mit halb-kaputten Fahrscheinautomaten gewonnen hatten, stand dem Weg nach Kensington nichts mehr im Wege. Das Hotel war überraschend...hm...nennen wir es russisch. Also nicht das Hotel, sondern die Belegschaft. Nicht minderfreundlich, aber der Akzent war nicht von schlechten Eltern. Nach der frühmorgentlichen Jagd nach dem Flughafenbus in Wien, gabs die Fortsetzung in London - die Jagd nach Essen. Dabei haben wir viele interessante Ecken rund um die Old Street entdeckt, bis wir schließlich in Jamie Olivers Fifteen gelandet sind (O-Ton Hase: "Gleich um die Ecke." Und es waren viele Ecken). Das Lokal selber ist ziemlich stylish, das Personal freundlich - unser Kellner schien seine Ritalin-Dosis vergessen zu haben, aber sein Gesang war nicht ganz verschreckend. Britain got Talent. Das Essen war wie erwartet: Voll Olivenöl. Sonst gab es keine nennenswerten Überraschungen. Einem an gutem Essen interessierten Mitteleuropäer hauts bei Jamie nicht vom Hocker - aber möglich, dass es bei den Briten die Offenbarung ist. Am Ende viel Lärm um Nichts. Bis auf den Kaffee: Unter einer hübschen Milchschaumhaube getarntes Abwaschwasser.
Wetterbedingt glänzten dann die Augen bei Harrod´s (ich habs schon wieder nicht geschafft mir den D&D Memorial-Brunnen anzuschaun) und zum Abschluss Bier im Pub.
Tag 2
Sightseeing stand am Programm. Die Sonne schien, der Wind wehte, der Kaffee war endlich gut. Und wir standen zufrieden am Tower Hill, machten Aaaah und Ooooh, taten ein wenig erfürchtig als wir die Tower Bridge erblickten. Die Jungs knipsten bei der folgenden Themse-Bootsfahrt wie verrückt Fotos - St. Pauls, Temple, HMS Belfast, London Bridge und noch viel, viel mehr. Dann die Entdeckung von South Bank: Menschen, Tiere, Attraktionen. Straßenkünstler, das London Eye und gutgelaunte Menschenmassen, die sich in Richtung des großen Ben und des Parliament wälzten.
Der Tenor war einstimmig: Sightseeing geht auch von den Öffis aus, die einen in die Oxfordstreet bringen. Carnaby Street, Pret a Manger und Top Shop wir kommen. Wir sahen und wir siegten auch. Die Jungs waren im Einkaufssackerl-Count am Ende eine Nasenlänge vorraus. Die Emanzipation hält wirklich schon überall Einzug. Tz. Als Traditionsmenschen pflegten wir am Abend wieder die Konversation am Tresen.
Tag 3
More to see. Parks und Gärten. Kenisington Gardens wurde erfolgreich durchquert. Am Ende des Parks: Alles Albert - eine riesige goldene Protzstatue und die Royal Hall. Sehr chic, sehr rot, sehr rund. Weiter durch die grandiose Backsteinarchitektur des Univiertels zum Victoria and Albert Museum. Eine Offenbarung für jeden Kunstinteressierten. Vom Gebäude über die Sammlung bis zur Idee, gelebte Liebe zu Kunst und Kultur. Die letzendlich private Führung mit Miriam (das Ami-Pärchen haben wir beim Abguß der Trajanssäule verloren) hatte einige Gustostückerl zu bieten. Am Ende habe ich mich in Rodin verliebt und moderne Glasbläserkunst zu schätzen gelernt. Bevor ich mich hier weiter verliere, der Versuch ins Naturhistorische Museum zu kommen wurde aufgrund der Besuchermassen vereitelt.
Dafür hat waren der Hydepark und South Kensington im Allgemeinen ein guter Ersatz. Zu schaun gibt es ja genug, Am Abend wieder die bernseinfarbene Kaltschale inkl. Chips/French Fries/Pommes. Nennt es wie ihr wollt. Trotz erschöpfter Füße, wir waren satt und zufrieden.
Tag 4
Die Jagd ging wieder von Vorne los. Anscheinend halten der Hase und ich nichts von entspannter Abreise. Am Ende haben wir Frühstück, Zug und Flug erfolgreich erwischt. Gewundert habe ich mich über das Gesicht von Montag-Morgen-London: Die bunten Wochenendkostüme wurden gegen seriöse anthrazitfarbene Anzüge eingetauscht. Das entspannte Schlendern wurde vom zackigen Gleichschritt überholt. London - zwei Welten.
In Gatwick hat uns dann nur noch der Pilot überrascht, der zuerst nach München statt nach Wien fliegen wollte ("Ladies and gentlemen, welcome to our flight to Munich " Rascheln im Hintergrund. Verwirrte Gesichter bei den Wartenden. "Probably not." Gelächter. Der Pilot setzt neu an: "Ladies and gentlemen, welcome to our flight to Vienna." Geht doch!)
Am Ende war es wieder viel zu kurz und wir schnitzen schon an Ideen für einen Trip in den Südosten Englands. Bis dahin: God save the Queen. Und den Charlie auch.



